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28. Juni 2017

Ciao 20.Jahrhundert - Zum Altvorderen Helmut Kohl

Weizäcker, Bahr, Schmidt, Genscher, Hamm-Brücher, Westerwelle, Späth, Helmut Kohl, alle starben in 2015, 2016 und 2017. Die führenden Politiker der alten Bundesrepublik gehen in einer Weise von uns, als signalisiere das das Ende von etwas Altem und den Anfang von etwas Neuem.
Doch während etwa Helmut Schmidt sich bis zu seinem Tod zu aktuellen Problemen äußerte, empfing Helmut Kohl 2016 den nationalistischen ungarischen Präsidenten Victor Orban. Eine politische Gaga-Idee - womöglich die seiner Frau - und ein Fingerzeig dafür, dass Kohl nicht mehr verstand. Das 21.Jahrhundert war nichts mehr für ihn. Einige weitere Hinweise dafür:

8. Juni 2017

Das Kino, das die Geschichten erschoss

Letzten Sonntag lief der Wester-Klassiker Der Mann, der Liberty Valance erschoss auf Arte. Der Streifen dreht sich um die Frage, ob die amerikanische – vielleicht sogar die gesamte westliche – Gesellschaft auf Mythen beruht. Falschen Mythen. Der Film war 1962 ein Kinohit, ein heute unvorstellbarer Erfolg.

16. Dezember 2016

Über das Jahr 2016

 Das ...

 ... ist das Urteil der sozialen Netzwerke. Auch sehr beliebt: „Warum ist 2016 so ein Arsch?“
2016 geht als Chaos-Jahr in die Geschichte ein. Aber wenn die Ereignisse allesamt urplötzlich aufzutreten scheinen, täuscht das: Um in den Schlamassel von Brexit, Trumps Wahl, Reaktion, Krisen und Flüchtlingschaos zu geraten, haben wir ordentlich Anlauf genommen. Die unschöne Geschichte vom Jahr 2016 beginnt meines Erachtens vor zwei Jahrzehnten.

25. November 2016

Die große Frage

"Wo fing das an, was ist passiert, was hat dich bloß so ruiniert?" - Die Sterne

Wenn die Symbolfigur für alles Schlechte in den USA amerikanischer Präsident wird, wirft das einen Mount Everest an Fragen auf. Der Journalismus in den USA gewinnt daher mächtig an Fahrt: Es erscheinen überragende Texte zur Zustandsbeschreibung der Gesellschaft. Wenigstens das.
Aber angesichts der trüben Aussicht Trump reicht das nicht. Wir brauchen auch nicht diskutieren, ob ein Vergleich Hitler - Trump sinnvoll ist (Er ist es nicht: Hitler war rechtsrevolutionärer Ideologe und wollte Krieg um jeden Preis. Trump ist Demagoge ohne politische Philosophie). Eher stellt sich langsam die große Frage, ob in den USA das Gesellschaftskonzept gescheitert ist.

7. September 2016

Mecklenburg-Vorpommern

Von wegen! Fair ist die geplante Umverteilung der Gelder nur für die absolute Spitze. Unten kommt wenig an, an der Basis nur noch ein Siebtel! Dazu berücksichtigt der Verteilungsschlüssel künftig Erbhöfe: Galt man etwas in den letzten Jahren, erhält man Boni. Zerbricht Europa?

27. Juli 2016

Trumpbrexit


Dieser Artikel geistert gerade durch die sozialen Medien. Der Autor Tobias Stone glaubt, die Apokalypse sei nah, weil die Geschichte in Zyklen vollzogen werde. Er vergleicht die Pest mit dem ersten Weltkrieg und Hitler und auch mit Trump. Immerhin, sei alles vorüber, wäre die Rasse Mensch gestärkt, schließlich seien Alte, Kranke und Schwache ausgesiebt worden. 
Stone produziert Nonsens und das so mangelhaft, dass ich darauf nicht näher eingehen möchte. 
Wenn jemand nach einer anständigen Erklärung für die aktuellen Krisensymptome der westlichen Gesellschaften sucht, der kann dennoch auf Stones Beitrag klicken: 

20. Juni 2016

Mutmaßungen über Britannien am Vorabend der Brexit-Abstimmung

Fragen Sie sich auch, was das mit der britischen EU-Abstimmung eigentlich soll? Dass die Brexit-Diskussion irgendwie absurd ist (und mittlerweile auch gefährlich)? Niemand sonst, etwa in Frankreich, Italien oder Deutschland träumt davon, die neue Schweiz oder das neue Singapur zu werden. Wirtschaftlich gesehen geht es um ein paar Milliarden Euro und mancher Beobachter glaubt, die Debatte wird eigentlich nur von Fremdenangst und -hass getrieben. Weil Großbritannien ein Einwanderungsland ist, soll es die EU verlassen. "Take back control" rufen die Gegner, als hätten die Briten ihre Souveränität in Brüssel abgegeben.
Erstaunlich wirkt die Emotionalisierung der Debatte, durch sie wird die Abstimmung womöglich eng. Warum nur diese totale Aufwallung, warum diese heftige Polarisierung? Ein paar Überlegungen.

13. Juni 2016

Schland

Wenn nun gleich #dieMannschaft spielt bei der Fußball-Europameisterschaft, öffnen sich Abgründe für Nicht-Fußball-Fans. Sogar seriöse Nachrichtensendungen machen gerne mit der Ankunft des Nationalteams am Stadion auf (aktuell ist die Euphorie aufgrund des unfassbaren Massakers in Orlando/Florida allerdings gedämpft).
Schland ist seit dem Sommermärchen 2006 dauerhaft trending topic. Behauptet man gegenüber Schland-Fans, die Europameisterschaften von 2000 und 2004 seien die besten Turniere überhaupt gewesen, löst man Kopfschütteln aus, da die Deutschen jeweils früh ausschieden. Dabei widersprechen nur wenige Experten und Fußballliebhaber dieser Meinung.

5. Mai 2016

Trumps Triumph

Donald Trump hat die Vorwahlen zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten gewonnen, seine Widersacher Ted Cruz und John Kasich haben soeben aufgegeben. Der Populismus gewinnt in der republikanischen Partei Oberhand, zumindest vorläufig. Sascha Lobo kommt zu dem Schluss:
"Trumps Erfolg hängt stark mit medialen Entwicklungen zusammen und basiert auf der Ablehnung von "Politischer Korrektheit", Trumps vermeintlicher Unabhängigkeit von Medien und Geld und auf Irrationalität." 
Die Analyse ist lesenswert, dennoch greift sie zu kurz. Anders als Lobos Kolumne suggeriert, hängt Trumps Erfolg nur zum kleineren Teil mit aktuellen Entwicklungen zusammen. Trumps Wähler fühlen sich hinters Licht geführt. Und das hat Ursachen, die sich schon vor der Internet-Ära manifestierten.

22. April 2016

Zum Tod von Prince, David Bowe und den ganzen anderen

"2016 ist ein Arschloch" heißt es in den sozialen Medien zur Zeit gerne. Der hilflose Spruch drückt die Ohnmacht darüber aus, dass unheimlich viele Prominenten-Lieblinge und Stars dieses Jahr vorzeitig versterben. Soeben hat es Prince erwischt. Eine Reihe Musikgrößen verschieden bereits Ende 2015, etwa Scott Weiland, Lemmy Kilmister und Natalie Cole, im Januar diesen Jahres folgten David Bowie, im März Roger Cicero. Insgesamt ist Liste der vorzeitigen Prominenten-Tode noch weitaus länger: Es starben 2016 bereits der langjährige FDP-Chef Guido Westerwelle, der vielleicht beste Fußballer des 20.Jahrhunderts Johan Cruyff, Roger Willemsen, Frank Sinatra junior, der langjährige Kinderfernsehen-Star Peter Lustig, Musiker Glenn Frey (The Eagles), der Schauspieler Alan Rickman und der Ost-Star Achim Menzel. Und dies ist nur eine (subjektive) Auswahl. Wer regelmäßig in den sozialen Medien unterwegs ist, glaubt, alle paar Tage sterben große, wichtige Menschen. Was ist bloß los in dieser Welt?